Reetdachdecker Frank Casper

Am - natürlich - reetgedeckten Wohnhaus von Frank Casper in Plate wird deutlich, wer hier wohnt: Im Garten steht ein Strohschneider, ein Werkzeug der Reetdachdecker.

Frank Casper aus Plate ist seit 1993 selbstständiger Reetdachdecker

Wer durch Plate und Banzkow fährt, dem fallen die schönen reetgedeckten Bauernhäuser in diesen Lewitzdörfern auf. Ihr heutiges Aussehen verdanken viele auch dem Plater Frank Casper. Denn der Reetdachdecker hat in den zurückliegenden Jahren gerade unmittelbar vor seiner eigenen Haustür seine Handwerkskunst unter Beweis gestellt. “Ich habe aber auch Bootsschuppen an der Ostsee oder Bauernhäuser an der Elbe neu eingedeckt”, ergänzt Frank Casper, der im Juli 2003 das zehnjährige Bestehen seiner Firma feiern konnte.
Erlernt hat Frank Casper aber einen anderen Handwerksberuf. Zu DDR-Zeiten wurde er Elektriker. “Reetdachhäuser begeisterten mich schon in jungen Jahren”, erzählte er. “An Wochenenden habe ich oft im Raum Dömitz geholfen, sie zu erhalten.” Die Grundlage des Handwerkes erlernte Frank Casper bei einer Frau: Eugenia Mann brachte ihm den richtigen Umgang mit Nadel und Klopfbrett. Diese alten Werkzeuge kommen neu hergestellt noch heute zum Einsatz.
Nach der Wende bot sich für Frank Casper die Möglichkeit aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Zwei Jahre setzte er sich damals auf die Schulbank und erlernte den Beruf des Reetdachdeckers. Im Juli 1993 machte er sich selbstständig. “Heiko Otto war mein erster Angestellter”, erinnert sich Frank Casper. “Er ist heute noch bei mir”. Die Firma hat derzeit sieben Angestellte, zu Spitzenzeiten waren eszehn Leute.
“Ich habe nie bereut, umzusatteln und mich selbstständig zu machen”, erzählte der Plater. Er liebt seinen Beruf, vor allem den Umgang mit dem Naturmaterial Reet und die Arbeit im Freien. “Außerdem ist jedes alte Hausetwas Besonderes”, ergänzt der Reetdachdecker.
Das gilt auch für die Büdnerei aus dem Jahr 1632 in Plate, die er sich als Wohnhaus und Büro ausgebaut hat. Hier lebt Frank Casper mit Lebensgefährtin Carolin Kutter und Tochter Nele.
(Foto: Mett)

In der Firma Casper werden Neueindeckungen von Reetdachhäusern aller Art auf traditionelle Weise mit traditionellen Werkzeugen wie Nadel, Faden und Klopfbrett errichtet.

Klopfbrett

Das Klopfbrett

Mit dem Klopfbrett bringt mann das Deckmaterial in die gewünschte Form (gleichmäßige Flächen oder Rundungen)

Das Klopfbrett ist ein 22x25 cm bis 22x40 cm großes Eichenholz, auf der Oberseite mit Handgriff in verschiedenen Längen und einem Dorn, mit dem das Kloppfbrett im Dach aufgehängt werden kann.
Eiserne Zinken mit einer Länge von ca. 2,5 cm im Abstand von 3 cm harkenähnlich angebracht, ermöglichen das Dach zu kämmen und lose Teile zu entfernen.

Die Krumme Nadel

Krumme Nadel

Die Krumme Nadel wird zum Befestigen des Reet beim gebundenen, aber auch beim genähten Dach gebraucht.
Sie wird dort verwendet wo für die gerade Nadel nicht ausreichen Platz vorhanden ist.
Die Krumme Nadel ist aus Rundstahl Durchmesser 10 mm geschmiedet, an einem Ende abgeflacht und mit einer Öse für die Aufnahme des Bindedrahtes, an dem anderen Ende ist ein Griff traditionell aus einer Kuhhornspitze befestigt.

Reetmesser

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Reetmesser werden aus einem Sensen- blatt gefertigt und sollen eine Schneide von mindestens 25 cm erhalten.

Gebogene Näh- und Bindenadel mit Öhre

Näh- und Bindenadel

Sie wird aus Rundstahl Durchmesser 10 mm geschmiedet. Das untere Ende der Nadel ist leicht gebogen, abgeflacht und mit einer Öhre versehen, durch die der Bindedraht gefädelt wird. Auch hier dient die traditionelle Kuhhornspitze als Griff.

Gerade Näh- und Bindenadel mit Öhre

Griff aus Kuhhornspitze. Die Nadeln sind bis zum Griff etwa 60 bis 65 cm lang und mit einer Maßeinteilung versehen. Sie werden aus einem 5x30 mm Stahlband geschmiedet und erhalten an der unteren Spitze eine Öhre, durch die der Bindedraht gefädelt wird.

Näh- und Bindenadel

Bindenadel mit Widerhaken

Näh- und Bindenadel

Diese wird genau wie die Bindenadel mit Öhre hergestellt , jedoch wird am unteren Ende keine Öhre, sondern ein Widerhaken eingeschmiedet, welche bei dem Nähvorgang den Bindedraht nach oben ziehen soll.

Reißhaken

Der Reißhaken ist eine gebogene Schneide und wird aus 8x40 mm Schmiedeeisen hergestellt.

Reishaken

Der Schaft wird an den Holzstiel geschraubt. Reißhaken werden zum Abreißen alter Weichdächer benötigt.

Das Handwerkzeug des Reetdachdeckers

Das Handwerkszeug ist die Visitenkarte des Reetdachdeckers. Der größte Teil der Geräte ist nicht im Handel erhältlich. Sie sind meist eigene Erfindungen des Handwerkers, daher auch in den Ausführungen der Werkzeuge in den Landschaften unterschiedlich.

Erste Arbeiten zum Instandsetzen eines Reetdaches  -   Abtragen der alten Weicheindeckung

Komplett restauriertes unter Denkmalschutz stehendes Bauernhaus in Banzkow

Gauben und Dachaufbauten

Volksbrauch und Volksglaube