Das Stroh- oder auch Reetdach - früher das Dach der Armen - heute das Dach für ein Haus, das Ruhe und Romantik und zugleich ursprüngliche Schönheit ausstrahlt, aber auch sehr teuer ist.

geschichte_aReetdachdecker gibt es in den Ländern an der Nord- und Ostsee seit dem Ende der letzten Eiszeit, als die bis dahin nomadisierenden Jäger und Sammler begannen, zunächst an Ufern von Gewässern seßhaft zu werden. Die ersten von ihnen gebauten, sicherlich noch gebrechlichen Hütten bedeckte er zum Schutz gegen die Klimafaktoren Niederschlag, Wind und Sonnenstrahlung mit Reet.
Er begriff instinktiv: es gibt nichts Besseres.
Seitdem sind viele 1000 Jahre vergangen. Das Reetdach hat die Entwicklung des Menschen in unserem Lebensraum er- und überlebt. Etwas Weltfernes, Geheimnisvolles und doch Gemütliches geht von dem eigenartig geschwungenen Dach aus; etwas, das scheinbar einer längst entschwundenen Zeit und ihrem gemächlichen Lebenstempo angehört. Das Reetdach ist gegenwärtig beliebter als seit langer Zeit. Wohin der Reetdachdecker kommt, wird er mit warmer Herzlichkeit empfangen. Er bildet eine Attraktion, seine Kunstfertigkeit wird bewundert. Und doch ist diese uralte Handwerk kein Lehrberuf.
Ein wichtiger Faktor für die Erhaltung und Pflege des Weichdaches sind brauchbare, aus der Überlieferung entstandene, dem heutigen Stand der Technik angeglichene Lehrbücher und Ausbildungshilfen für den künftigen Reetdachdecker, welches ihm erleichtern, das Handwerk von Grund zu beherrschen.

Leider erlebten erlebten wir nach dem 2. Weltkrieg, in der die Weichbedachungen rückläufig waren, einmal dadurch, daß kaum Gebäude mit diesem inzwischen knapp gewordenen Naturbaumaterial versehen werden konnten, zum anderen, weil viele Weichdächer, deren vordringliche Instandsetzung oder Erneuerung aus kriegsbedingten Gründen unterblieb, nun durch Hartbedachung ersetzt werden mußten.

Wenn sich auch die Technik des Deckens im Laufe der Jahrhunderten änderte, ist jedoch die Beliebtheit des Weichdaches bis zum heutigen Tage, also bis in die neueste Zeit geblieben.

Heute ist die Erhaltung und Pflege der alten Baudenkmäler und Kunstwerke , die Sicherung alter Kulturstätten, Überwachung der Ortsbilder sehr kräftig ins öffentliche Bewußtsein gerückt worden.

(Auszüge aus: Das Reetdach von Walter Schattke)